Ag-Tech: Digitalisierung der deutschen Landwirtschaft

Aktualisiert: 16. Jan 2019


Digitalisierung

Darum ging es beim heutigen Gründerfrühstück mit Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner in Berlin. Dadurch sollten Gründer motiviert werden bei der Digitalisierung der Landwirtschaft mitzuwirken. Der Raum war überraschend voll, das Interesse war groß. Schnell stellt sich heraus, die Landwirtschaft ist bereits sehr digital. Egal ob bei der Fernsteuerung durch das Handy bei der Fütterung von Tieren, KI beim Melken von Kühen oder autonomen Fahren bei der Getreideernte – überall wird bereits Digitalisierung genutzt um die Effizienz zu steigern. Trotzdem sollen deutsche Ag-Tech-Start-ups in Deutschland gefördert werden und einen profitablen Markt in Deutschland vorfinden. Soweit so gut und alles richtig. Die wichtigste Frage bleibt jedoch offen: Wie?


Hier ein paar Erklärungsversuche unserer Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin:


1. Zurück aufs Land

Frau Klöckner hat mehrmals erwähnt, dass die Innovationen und demnach innovativen Menschen in ländlichen Regionen gebraucht werden. Das leuchtet jedem ein. Jedoch kennt jeder von uns das Problem am ländlichen Raum Deutschlands: Die (fehlende bzw. mangelnde) Infrastruktur. Für Frau Klöckner sei das kein Problem. Menschen können auch auf dem Land schnell von A nach B kommen und Probleme wie langsames Internet und mangelnde Büroräume sollen einfach durch „Gemeindezentren“ gelöst werden, welche dann das bestmögliche Internet ausgestattet werden. Von welchen Gemeindezentren wird da gesprochen? Und wer soll diese Zentren bezahlen? Soll ein Start-up auf das Land ziehen und neben dem Unternehmensalltag auch noch ein Gemeindezentrum aufbauen und leiten? Und woher soll das schnelle Internet kommen? Sicherlich nicht von den Milchkannen, die als 5G Hotspot dienen. Viele Fragezeichen über meinem Kopf.


2. Landwirte profitabler machen

Mein erster Gedanke war: Super Idee! Doch dann kam mir die Frage: Wie? Durch Kostenreduktion oder Umsatzsteigerung? Die Antwort: Effizienzsteigerung durch KI. Künstliche Intelligenz soll entscheiden wann Kühe gemolken werden und dies auch gleich durchführen. Das ist zwar nicht arbeitnehmerfreundlich, weil kein Arbeitnehmer dafür benötigt wird, aber entlastet erstmal den Landwirt und steigert den Output – das stimmt. Außerdem wurden weitere spannende Ansätze zur Effizienzsteigerung genannt. Ich dachte mir die ganze Zeit: Wieso werden nicht einfach tierische Produkte teurer gemacht und Deutsche essen einfach weniger davon, so dass die Landwirte die ganze künstliche Intelligenz gar nicht erst benötigen? Dann würden Landwirte mehr verdienen, sie hätten keinen Effizienzdruck und die Lebensverhältnisse der Tiere würde sich verbessern. Aber für Grundsatzfragen war keine Zeit.


Im Gegenteil: Ganz nebenbei konnte Frau Klöckner meine Abneigung gegen Massentierhaltung im Nachgang durch eine neue Stunde beseitigen (Ironie an). Demnach seien Tiere, vor allem Schweine, im Verhalten sehr ähnlich zu Menschen: Manche gehen gern raus in die Natur und wollen sich bewegen, manche bleiben lieber zu Hause und liegen einfach auf der Couch – alle Tiere bräuchten nicht so viel Freiland. Wenn das kein Argument ist Tiere in winzige Stelle zu quetschen, in denen sie sich gegenseitig tottrampeln und auffressen, dann weiß ich auch nicht (Ironie aus). Mich würde mal interessieren wer die Studie durchgeführt und finanziert hat. Ein Schelm, wer denkt, die deutsche Fleischindustrie.


3. Finanzielle Förderungen für Start-ups

Ebenfalls ein super Ding! Es lege viel nicht abgerufenes Kapital im Ministerium, welches nur auf tolle Start-ups wartet. Gleich kommen Einwände aus dem Publikum, dass diese Förderungen für Start-ups kaum zu kriegen sind, weil sie keine entsprechende Bilanz aufweisen können. Eine Förderung solle eher an bestehende und große Unternehmen vergeben werden. Ein anderer Besucher im Publikum sagt, er telefoniere seit Monaten von Behörde zu Behörde und erreiche niemanden, der ihm zu gewissen Förderungen behilflich sein kann. Was bringt ein großer Förderungstopf, der schwer abzurufen ist, Start-ups nicht hilfreich ist und scheinbar vermehrt an Unternehmen geht, die bereits eine positive Bilanz haben? Ist das ein Umfeld für Innovationen?


Fazit

Insgesamt gesehen eine enttäuschende Veranstaltung, in der sich mehr Fragen als Antworten aufgetan haben. Die Rede von Frau Klöckner wirkte lobbygetrieben, inhaltslos und realitätsfern. Ich fühlte mich danach nicht motiviert zur Digitalisierung der Landwirtschaft beizutragen. Ähnlich ging es vielen Anwesenden, die genauso schnell gingen wie sie gekommen sind. Die Veranstaltung hätte eine gute Plattform zum Austausch auf Augenhöhe zwischen Politik auf höchster Stufe und Start-ups sein können – war es jedoch nicht. Es war eine politische Aktion, um zu behaupten, dass irgendwas gemacht wird, weil irgendwas gemacht werden muss.


Die findu Redaktion


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